Ratgeber
Praxisbeiträge
Der erste Beitrag dieser Rubrik widmet sich dem Lesen mit Kindern. Viele Eltern wünschen sich ein lesendes Kind und machen das Buch dabei unbewusst zur Hausaufgabe: so und so viele Seiten, danach ein Zeichentrickfilm. Das funktioniert selten auf Dauer. Im Folgenden finden Sie eine Abfolge von Schritten, mit der Lesen zu einem angenehmen Teil des Familienlebens wird – und nicht zu einer Pflicht, die man möglichst schnell hinter sich bringen will.
Freude am Lesen lässt sich nicht anordnen. Man kann sie nur vorleben und geduldig fördern – mit einem Buch am Bett, einem Gespräch am Abend und der Freiheit, selbst zu wählen.
Was Sie vorbereiten sollten
- Ein niedriges Regal oder einen Korb, aus dem Ihr Kind Bücher selbst nehmen kann, ohne Erwachsene zu fragen.
- Einige Bücher verschiedener Art: Märchen, Sachbücher mit Bildern, lustige Geschichten, Gedichte.
- Einen bequemen Leseplatz: einen Sessel, Kissen auf dem Boden oder eine Ecke mit gutem Licht.
- Etwas freie Zeit am Abend, die Sie ohne Telefon mit Ihrem Kind verbringen möchten.
- Eine Absprache in der Familie, dass Lesen weder als Strafe noch als Bedingung für eine Belohnung dient.
- Die Bereitschaft, selbst zu lesen: Kinder merken, ob Erwachsene freiwillig zum Buch greifen.
Beginnen Sie mit gemeinsamem Lesen
Lesen Sie laut vor, auch wenn Ihr Kind schon selbst lesen kann. Gemeinsames Lesen nimmt die Anspannung: Das Kind folgt der Geschichte, statt mit schwierigen Wörtern zu kämpfen.
Fiktives Beispiel: Ein Erstklässler liest noch langsam Silbe für Silbe, also liest die Mutter das Kapitel vor, und er übernimmt nur einen kurzen Satz einer Figur.
Lassen Sie Ihr Kind wählen
Erlauben Sie Ihrem Kind, Bücher selbst auszusuchen, auch wenn Ihnen die Wahl wenig anspruchsvoll vorkommt. Das Interesse an einer Geschichte weitet sich mit der Zeit aus.
Fiktives Beispiel: Ein Mädchen greift immer wieder zum Tierbuch mit Stickern, und die Eltern stellen ganz entspannt ein ähnliches daneben, aber mit längerem Text.
Machen Sie Bücher erreichbar
Bewahren Sie Kinderbücher dort auf, wo Ihr Kind seine Zeit verbringt, und nicht im Schrank hinter Glas. Was immer griffbereit ist, wird öfter genommen.
Fiktives Beispiel: Der Bücherkorb steht neben dem Sofa, und der Sohn blättert von sich aus darin, während er auf das Abendessen wartet.
Sprechen statt abfragen
Fragen Sie nach Figuren und Eindrücken, statt eine Nacherzählung zu prüfen. „Was hättest du an seiner Stelle getan?“ wirkt besser als „Erzähl mir das Kapitel nach“.
Fiktives Beispiel: Beim Abendessen fragt der Vater, welche Figur die Tochter auf eine Wanderung mitnehmen würde, und das Gespräch dauert eine halbe Stunde.
Pflegen Sie ein Familienritual
Ein festes Ritual hilft mehr als einzelne Anstrengungen: die Gutenachtgeschichte, ein Buch im Rucksack beim Wochenendausflug, ein gemeinsames Regal mit Familienfundstücken.
Fiktives Beispiel: Jeden Sonntag wählt die Familie ein Buch zum gemeinsamen Vorlesen; jeder liest eine Seite und reicht das Buch dann weiter.
Erlauben Sie das Abbrechen
Hat eine Geschichte nicht gepackt, darf das Buch zur Seite gelegt werden. Das Eigene auswählen zu können, gehört auch zur Leseerfahrung, und erzwungenes Zu-Ende-Lesen verdirbt die Lust.
Fiktives Beispiel: Der Sohn legt einen dicken Roman in der Mitte weg, kehrt ein Jahr später von selbst zurück und liest ihn in einer Woche aus.
Verbinden Sie die Formate
Gedruckte Bücher, E-Books und Hörbücher sind keine Konkurrenten. Wichtig ist, dass Ihr Kind Geschichten begegnet – das Format ist zweitrangig.
Fiktives Beispiel: Unterwegs hört die Familie ein Hörbuch, zu Hause findet die Tochter dieselbe Geschichte im Regal und liest sie selbst zu Ende.
Feiern Sie Bücherfeste
Der Welttag des Buches und des Urheberrechts wird auf Beschluss der UNESCO am 23. April begangen. Ein guter Anlass, in die Bibliothek zu gehen, mit Freunden Bücher zu tauschen oder einen Leseabend zu Hause zu veranstalten.
Fiktives Beispiel: Ende April bereiten die Kinder einander „Buchgeschenke“ vor – jedes sucht im Regal eine Geschichte aus, die es dem Bruder empfiehlt.
Was Sie besser vermeiden
- Lesen als Strafe einsetzen oder zur Bedingung für Zeichentrickfilme und Spiele machen.
- Nach jedem Kapitel eine Nacherzählung verlangen und das Gespräch über das Buch in eine Prüfung verwandeln.
- Die Wahl des Kindes kritisieren und nur „nützliche“ Bücher aufdrängen.
- Mit dem Vorlesen aufhören, sobald das Kind Buchstaben zusammensetzen kann.
- Kinderbücher hoch oben oder hinter Glas aufbewahren, wo das Kind sie nicht selbst erreicht.
- Das Kind mit Geschwistern oder Mitschülern vergleichen, die mehr lesen.
- Schnelle Ergebnisse erwarten und nach ein paar Wochen aufgeben.
Was Sie auch anders machen können
- Mag Ihr Kind keine langen Texte, beginnen Sie mit Comics und Büchern mit großen Illustrationen.
- Fehlt Ihnen abends die Kraft zum Vorlesen, spielen Sie ein Hörbuch ab und hören Sie es gemeinsam.
- Gibt es zu Hause wenige Kinderbücher, gehen Sie in die nächste Bibliothek oder tauschen Sie mit Freunden.
- Ist das Interesse verflogen, schlagen Sie Ihrem Kind vor, selbst eine Geschichte zu erfinden und in ein Heft zu schreiben.
Abschließende Prüfung
- Die Kinderbücher stehen dort, wo Ihr Kind sie selbst nehmen kann.
- Sie lesen mindestens einige Male pro Woche gemeinsam.
- Ihr Kind wählt einen Teil der Bücher selbst aus.
- Lesen ist weder mit Strafen noch mit Belohnungen verknüpft.
- Über Bücher wird gesprochen, nicht abgefragt.
- Ein uninteressantes Buch darf ohne Vorwürfe weggelegt werden.
- In der Familie gibt es mindestens ein Leseritual.
- Ihr Kind sieht, dass auch Erwachsene lesen.
Beitragskatalog für deutschsprachige Leserinnen und Leser
Hier entsteht eine Sammlung eigenständiger Beiträge zur Hausbibliothek: zum Aufstellen und Verzeichnen, zur schonenden Aufbewahrung, zum Lesen mit Kindern und in der Familie, zum Weitergeben von Büchern. Wir schreiben sie eigens für die deutschsprachige Ausgabe und achten darauf, dass Sie jeden Tipp noch am selben Abend an Ihrem eigenen Regal ausprobieren können.
Derzeit enthält das Verzeichnis einen Beitrag – er steht oben auf dieser Seite. Weitere Beiträge erscheinen hier, sobald sie fertig sind.
In Vorbereitung
- Lesezeichen statt Eselsohren: warum der schonende Umgang mit Seiten mehr bewirkt, als man denkt.
- Bücher in Keller und Dachboden: worauf Sie bei Feuchtigkeit und Temperatur achten sollten.
- Bücher beim Umzug: wie Sie Ihre Hausbibliothek sicher verpacken, transportieren und neu einräumen.
- Widmungen auf dem Vorsatz und Exlibris: wie Sie Ihr Buch kennzeichnen, ohne es zu beschädigen.
- Offene Bücherschränke und Tauschregale: was Sie vor dem Hineinstellen prüfen sollten.
Redaktionelle Grundsätze
- Die Beiträge in diesem Katalog werden für jede Sprachversion eigens verfasst und sind keine Übersetzungen.
- Einige Beiträge verlinken auf Websites Dritter, darunter Gaming-Dienste; auf deren Inhalte, Preise und Bedingungen haben wir keinen Einfluss.
- Wir verkaufen keine Bücher und veröffentlichen keine Werbung für Verlage, Geschäfte oder Dienste, keine Rankings, Preise oder Erfahrungsberichte.
Verwandte Beiträge
- Fragen
Kurze Antworten zu Aufbewahrung und Pflege, Ordnung und Verzeichnis, gemeinsamem Lesen und Büchertausch.
- Sammlungen
Lesewege: das erste eigene Bücherregal, Bücher und Kinder, alte Bücher.
- Bücher ordnen (auf Russisch)
Hinweis zur alten Adresse und Möglichkeiten, Bücher zu Hause aufzustellen, dazu ein Plan, ein Regal an einem Wochenende zu ordnen.
- Rubriken
Vier Rubriken: Regale und Ordnung, Buchpflege, Lesen in der Familie, Tausch und Verzeichnis.
Worauf wir uns stützen
- UNESCO – Welttag des Buches und des Urheberrechts
- Empfehlungen von Bibliotheken zur Aufbewahrung von Büchern (allgemeine Grundsätze)
Die Tipps sind allgemein gehalten und auf eine gewöhnliche Hausbibliothek zugeschnitten. Ist ein Buch besonders wertvoll, sehr alt oder bereits beschädigt, zeigen Sie es besser einer Restauratorin, einem Restaurator oder einer Buchbinderei, statt es selbst zu reparieren.